Ich mag es lieber einsam

Ich mag es lieber einsam

Wer einen Urlaub in Abgeschiedenheit genießen will, muss sich einen Schritt weiter von den Hauptattraktionen entfernen als alle anderen. Und das lohnt sich: fern der Top-Ziele finden Sie zahllose wunderschöne Orte, an denen Sie nur ihre eigenen Fußspuren im Sand finden werden.

Es gibt im Inselstaat eine ganze Reihe von „Helden aus der zweiten Reihe“. Diese Orte sind nicht weniger schön als die üblichen Ziele, lediglich weniger bekannt und daher verlassener. Sie finden sich auf der Nordinsel in Regionen wie Northland, Gisborne und Hawke’s Bay, auf der Coromandel Peninsula und auf Great Barrier Island; auf der Südinsel locken Canterbury und Southland, Stewart Island und sogar berühmte Parks wie Mount Aspiring oder Fiordland National Park mit Abgeschiedenheit.

Wenn Sie es ruhiger mögen, vermeiden Sie lieber die Hauptsaison von Weihnachten bis Ende Januar, denn dann hat Neuseeland Sommerferien. Entsprechend sind Ziele und Attraktionen vielbesucht und teuer. Die Nebensaison bietet sich für Ruhesuchende als ideale Reisezeit an, insbesondere der Frühlingsbeginn von Oktober bis November, wenn die Natur anfängt aufzublühen, oder der Spätsommer von Februar bis März, wenn die Farben intensiv und die Temperaturen noch freundlich sind.

Besonders Strandliebhaber, die gerne mal für sich sind, finden in Neuseeland ihr Urlaubsparadies. Schon die schiere Anzahl der Strände macht es wahrscheinlich, bei einem spontanen Schlenker zufällig einen menschenleeren Strand zu entdecken. Wer sich darauf nicht verlassen möchte, muss sich entscheiden: entweder man bevorzugt die vollkommen isolierten Strände und nimmt deren schlechtere Zugänglichkeit in Kauf (z.B. Ostküste der Nordinsel), oder man besucht einen der gut erreichbaren, dafür aber nicht ganz so menschenleeren Strände (Nord- und Nordostküste der Nordinsel).

Letztere finden sich in Northland, beispielsweise am Cape Reinga, wo der pazifische Ozean von Osten auf die Tasmansee im Westen trifft. Der Ort mit dem ikonischem Leuchtturm erfreut sich in der Hauptsaison zwar durchaus einiger Besucher, zumal die Straßen geteert sind und der Weg gut beschildert ist, er ist aber nicht so überlaufen wie die Hauptattraktionen. In unmittelbarer Nähe finden Sie weitere eher unbesuchte Strände, wie etwa Spirits Bay, eine 12 km lange Bucht mit hoher kultureller Bedeutung für die Maori.

Weitere unbevölkerte Strände, Buchten und natürliche Häfen finden sich an der Ostküste des „Far North“. Leichten Zugang bietet die Infrastruktur hier beispielsweise zur Bay of Islands, die nicht nur größere Ortschaften wie Kerikeri (7.000 Einwohner) und Paihia (1.700 Einwohner) beheimatet, sondern auch 144 Inseln, die es zu erkunden gilt. Man muss sich also nicht mit schmachtenden Blicken auf den großen Ozean begnügen. Die meisten Ortschaften in der Bay of Islands eignen sich als Startpunkte für Wanderungen und bieten zudem Bootstouren zu den einsamen Inseln an.

Möchten Sie lieber eine größere Insel erkunden, ist Great Barrier Island zu empfehlen. Dort findet man ebenso ein Neuseeland, das von der Zeit unangetastet blieb. Auch wenn die Insel mittlerweile auch von Touristen entdeckt wurde, zählt sie mitnichten zu den überlaufenen Hauptsensationen, und das, obwohl das Gebiet nur knapp 90 km von Auckland entfernt ist.

Weiterhin empfehlenswert sind die Strände der Coromandel Peninsula, die Orte mit vielen touristischen Attraktionen und Beschäftigungsmöglichkeiten bietet und gleichzeitig Zufluchtsorte für ruheliebende Urlauber bereithält. Die Halbinsel steht also, was Infrastruktur angeht, zwischen dem stärker entwickelten Norden und dem eher isolierten Osten der Nordinsel. Die schönsten Refugien der Coromandel Peninsula sind Fletcher Bay, Wainuiototo Bay, Whangapoua, Opoutere aber auch viele andere.

Je weniger zugänglich ein Ort ist, desto mehr bleibt man dort natürlich von Menschen verschont. Die Ostküste der Nordinsel mit Distrikten wie Gisborne und Hawke‘s Bay ist sehr dünn besiedelt und touristisch wie infrastrukturell nicht so stark erschlossen. Oft muss man daher kurvige Schotterstraßen in Kauf nehmen, um zum gewünschten Zielort zu gelangen. Dafür locken in Gisborne nicht nur menschenleere Strände, sondern auch Weingärten, Citrus-Haine und reißende Flüsse. Ruhige Orte an der Küste sind zum Beispiel Whanarua Bay und Lottin Point.

In Hawke‘s Bay finden sich neben beschaulichen Weinbergen auch der von alpinem Buschland und Buchenwäldern dominierte Kaweka Forest Park und natürlich der allgegenwärtige Blick aufs Meer.

Doch vielleicht ist Ihnen ja ein Nationalpark lieber. Von der Ostküste etwas landeinwärts befindet sich der Te Urewera National Park im immer noch schwach besiedelten Teil des Landes. Damit beeindrucken die 2.127 km² Fläche des Parks vor allem durch ihre unberührten Wälder, Seen und Wasserfälle.

Man sollte sich bei aller Liebe zur Menschenleere auch nicht die Chance nehmen lassen, einen der Great Walks zu erleben. Generell sind diese zwar sehr beliebt, aber manche bieten Ihnen mehr Platz zum Atmen als andere. Der 43 km lange Lake Waikaremoana Great Walk führt durch den besagten wenig frequentierten Te Urewera National Park, entlang des Süd- und Westufers des Lake Waikaremoana.

Tolle Wanderungen gibt es auch auf der Südinsel. Manche Ausflüge garantieren verwaiste Strecken vor allem dadurch, dass sie eine sportliche Herausforderung darstellen, die so einige Otto Normalurlauber abschreckt. Im Westen der Südinsel finden sich etwa der Gillespie Pass Circuit im Mount Aspiring National Park, eine 58 km lange Wanderung mit Option auf Besichtigung des Crucible Lake, und der Earnslaw Burn Track in Glenorchy, berühmt als Schauplatz des Films „Der Hobbit – Eine unerwartete Reise“. Der dadurch etwas bekanntere Ort bietet mit seinen Tälern und Bergen trotzdem genug Raum für einsame Romantik.

Eine andere Art der Einsamkeit findet man im Fiordland National Park, der zwar allseits als UNESCO-Weltnaturerbe bekannt ist, mit seiner Fläche von 12.500 km² aber alle Besucher weitläufig verteilen kann. Die Berge sind hier bis zu 2.746 m hoch, die Seen sind die tiefsten des Landes und die namensgebenden Fjorde geben Robben und Pinguinen eine Heimat. Zusätzlich gibt es hier Wanderungen, auf denen nur wenige Menschen pro Tag zugelassen sind, so zum Beispiel der Hump Ridge Track und der Milford Track zum weltberühmten Milford Sound.

Noch exklusiver sind zwei Wanderstrecken an Canterburys Ostküste: den Kaikoura Coast Track entlang der Küste dürfen täglich nur 10 Personen bewandern, den Banks Peninsula Track ganze 12 Personen.

Ganz im Südosten der Südinsel findet sich das landwirtschaftlich geprägte und nur dünn besiedelte Gebiet der Catlins. Die zerklüfteten Küsten und die malerischen Wälder mit ihren versteckten Seen und Wasserfällen laden zu Wanderungen ein. Außerdem lässt sich hier die neuseeländische Tierwelt entdecken: Seelöwen, Robben, zahllose bedrohte Vogelarten wie der Farnsteiger, außerdem Pinguine und gelegentlich sogar Hector-Delfine sind hier zu sehen.  Auch in den Catlins gibt es exklusive Wanderungen. Sie können hier auf abgeschiedenen Farmen übernachten und – nach vorheriger Buchung – auf Privatland entlang der felsigen Küsten wandern.

Verlässt man das Festland im Süden Southlands, trifft man auf Stewart Island. Die Insel besteht zu 85 % aus Naturschutzgebiet und ist folglich sehr unangetastet. Sie beheimatet einen etwas kürzeren Great Walk, den 32 km langen Rakiura Track.

Wenn Ihnen Inseln gefallen, können Sie auch gleich die an der Küste zur Stewart Island gelegene kleine Ulva Island besuchen. Sie gehört mit zum Rakiura National Park und beheimatet viele Vogel- und Pflanzenarten, die auf den Hauptinseln bereits ausgestorben oder stark gefährdet sind.

Zuletzt gilt wie stets: den kontaktfreudigen Geist belohnt das Glück. Weitere Geheimtipps und versteckte Wunder lassen sich gut im Austausch mit den Einheimischen aufspüren. Machen Sie also vielleicht hin und wieder mal einen etwas kleineren Bogen um Kollege Mitmensch, damit der Ihnen den Weg zum großen Bogen weist.

Dies ist ein Beitrag aus dem Reiseführer Neuseeland live

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