Ich brauche Action!

Ich brauche Action!

Um sich nur zwischendurch mal den Kick zu geben, braucht es in Neuseeland keine große Organisation, denn die nächste Möglichkeit, sich irgendwo runter oder reinzustürzen, ist nicht weit. Für die volle Dröhnung sollten Sie sich aber auf die mittleren Regionen der Inseln konzentrieren, denn hier warten die wahren Superlative.

Schnell kann man auf den Inseln den Eindruck gewinnen, dass es sich bei den Neuseeländern um ein Völkchen mit einem Faible für Extremsportarten handelt, und dabei geben sie sich nicht mit 08/15-Wagnissen zufrieden. Whitewater Rafting und Tubing, Ziplining, Abseiling, Canyoning, das alles macht zwar Laune, ist ihnen aber nicht genug, also wird der Spaß als Blackwater Rafting/Tubing und Caving kurzerhand unter die Erde verlegt, um auf unterirdischen Flüssen durch Höhlen zu sausen und im Erdinneren herumzuklettern. Eine hervorragende Idee meinen Sie? Dann sollten Sie Waikato und West Coast ganz dick auf Ihrer Reiseroute vermerken.

Doch nicht immer bietet die Natur solch ausgezeichnete Gelegenheiten, um beim Extremsport noch einen draufzusetzen, also hilft man in Neuseeland gern auch etwas nach, und erfindet eben etwas, um den Adrenalinhaushalt in Schwung zu halten. So geht das moderne Bungee-Jumping, das aus den durchaus unfallträchtigen Ritualen der Lianenspringer von Pentecost (Vanuatu) entwickelt wurde, vor allem auf das Konto der beiden Neuseeländer A. J. Hackett und Chris Sigglekow (Tipp: Mini-Dokumentation „The Jump“). Auf ihren Spuren wandeln – bzw. springen – können Sie unter anderem in Auckland und natürlich in der Adrenalin-Hochburg Queenstown, aber auch an einigen anderen Orten, an denen Natur oder Menschenhand beste Absprungstellen geschaffen haben. Wenn die übrigens erstmal erschlossen sind, setzen die Neuseeländer gern gleich noch einen Sky Swing oder einen Zipride nebendran.

Wahrlich Humor bewiesen haben die Neuseeländer, in diesem Falle Dwane van der Sluis und Andrew Akers, mit der Erfindung des Zorbing. Während andere sich noch ärgerten, dass es außerhalb von Film und Fernsehen aussichtslos ist, unbeschadet in einem Fass den Berg hinabzurollen, konstruierten die Neuseeländer den luftgepolsterten Riesenball, um das Unmögliche möglich zu machen. Die Zorbing-Bälle kann man selbstverständlich auch auf dem Wasser und im Schnee benutzen – nicht dass noch jemandem langweilig wird. Laut Website der Gründerfirma steht Zorbing bei vielen auf Platz 1 der Liste „Was ich noch machen will, bevor ich sterbe“. Wenn das bei Ihnen auch der Fall ist, dann müssen Sie nach Rotorua, bevor es sich für Sie ausgezorbt hat.

Der Spaß hingegen nimmt kein Ende, jedenfalls nicht in Neuseeland, und so zischt man hier schon seit den 1960ern mit einer weiteren neuseeländischen Erfindung auf wilden Flüssen durch schmale Schluchten, dem Jet Boat. Ein Ingenieur aus Canterbury hatte das wendige Wassergefährt einst aus rein praktischen Gründen entwickelt, doch der Fun Faktor blieb nicht lange ein Geheimnis und so gibt es heute auf vielen Flussabschnitten Neuseelands Gelegenheit, zwischen engstehenden Felsen über das Wasser zu schießen. Das absolute Mekka sind natürlich Canterburys Gewässer, gewissermaßen die Väter des Jet Boats; Queenstown kann unter anderem mit einem legendären Geschwindigkeitsrausch auf dem Shotover River aufwarten und auch Manawatu-Wanganui geizt nicht mit Adrenalin.

Bei allem Forschungsdrang wird aber auch dem ‚herkömmlichen‘ Abenteuer gefrönt, und wo Jet Boat gefahren wird, ist Whitewater Rafting nicht weit. Nur vom Wasser angetrieben, und das gnadenlos, werden Sie vor allem auf den Flüssen von Waikato, West Coast, dem Rotorua-Gebiet und – natürlich wieder – Queenstown. Aber auch in anderen Ecken Neuseelands können Sie sich 1A-Waschmaschinen-Feeling abholen.

Falls Sie statt mit dem Boot lieber auf dem Hintern über die Flussfelsen schlittern wollen, empfiehlt sich Canyoning; spektakuläre Kaskadentouren inklusive Wasserfallrutschen, Abseil- und Zipline-Passagen, finden sich zum Beispiel im Abel Tasman National Park (Tasman), im Kauaeranga Valley (Waikato), in Aucklands Waitakere Ranges und reichlich auch im Gebiet zwischen Christchurch (Canterbury) und – selbstverständlich – Queenstown.

Sie möchten zwischendurch mal einen Tag trocken bleiben? Abseiling gibt’s auch in den Kletterparks in Wellington, Christchurch, Auckland und Bay of Plenty sowie an den Hängen von Waikato und – Überraschung! – Queenstown, aber natürlich auch in anderen Kletterrevieren Neuseelands.

Wenn Sie sich mehr für das Rauf, als für das Runter interessieren: Climbing-Dorado No. 1 sind natürlich die Southern Alps auf der Südinsel, in denen schon Edmund Hillary trainierte. Was er sicher nicht getan hätte, gäbe es hier nicht auch Möglichkeiten zum Ice Climbing; die Gletscher Fox und Franz Josef erfreuen sich heute größter Beliebtheit, nehmen sie einen doch schon auf 300 m Höhe in ihre eisigen Arme.

Die Haupt-Klettergebiete sind in regelmäßigen Abständen über die Alpen verteilt, vom nördlichen Nelson Lakes National Park (Tasman) bis zum südlichen – Sie wissen schon – Queenstown. Aber ob Rock Climbing, (saisonales) Ice Climbing, Waterfall Climbing oder Climbing ‚pur‘, wo immer Sie Berge sehen, sind mit ziemlicher Sicherheit auch Kletterrouten zu finden.

Manchmal gehen auch die Neuseeländer ganz normal den Berg hoch oder fahren gar bequem mit der Gondel rauf, aber wenn man schon mal oben ist, naja, dann kann man ja zumindest den Rückweg mit dem Mountainbike oder Paraglider bestreiten.

Die meisten Paragliding und Hang Gliding Sites bieten der nordwestliche und südliche Teil der Nordinsel (Northland, Auckland, Waikato, Bay of Plenty), sowie auf der Südinsel der Norden und mittlere Westen (hier insbesondere die Gegend um Wanaka (Otago) und – man kann es ahnen – Queenstown).

Für Mountainbiking ist nahezu ganz Neuseeland wie geschaffen und dicht von Trails und Routen durchzogen. Die höchsten Radsportkonzentrationen werden allerdings in den Gegenden von Rotorua, Taupo (Waikato) und Wellington vermutet. Und in Queenstowns Umgebung, aber das muss man ja kaum noch extra erwähnen. Auch Mountainbike Parks sind gut verteilt; zu den spektakulärsten zählen der Kaiteriteri Mountain Bike Park an Tasmans Ostküste und – ganz unerwartet – der Queenstown Bike Park. Wer sein Bike in Queenstown unten am Lift vergessen hat, kann schnell nochmal runter, um es zu holen, denn in der Nähe des Bike Parks starten außer den Mountainbike-Strecken nicht nur Paraglider, sondern auch die Piste für die Sommer-Rennrodel (Luges).

Wen es nach noch mehr verlangt, der macht auf einem Heli-Bike Flight mit Mountain oder Fat Tyre Bike höher gelegene Gegenden – z.B. bei Queenstown – unsicher.

Zeit, die Katze ganz aus dem Sack zu lassen: Queenstown hat außerdem noch Ziplines und Swings zu bieten, dazu Quad und Buggy Offroad Touren, Fallschirmsprünge, Laser Tag und Paint Ball, Paraflying, White Water Sledges und eine Riversurfing Location.

Reicht Ihnen immer noch nicht? Queenstown auch nicht, deshalb haben drei Queenstowner im Jahr 2013 Hydro Attack gegründet. Was Sie davon haben? Sie können endlich ein Hai sein. Das geschlossene Wassergefährt von Hydro Attack, ein Seabreacher X Watercraft, sieht nicht nur aus wie ein Hai, sondern bewegt sich auch so. Auf dem Wasser von 0 auf 80 km/h in 3,9 Sekunden, bis zu 40 km/h unter Wasser (Sie verstehen schon richtig, Sie sitzen mit im Cockpit), enge Wenden und Rollen bis zu 90°, und weil man kein echter Hai wäre, würde man nicht auch den schnellen Angriff proben, schießt der Seabreacher X zwischendurch 5 Meter hoch senkrecht aus dem Wasser, um dann wieder abzutauchen. Weltweit einmalig!

Nach der Hai-Nummer könnte das jetzt zwar fast langweilig wirken, aber bei Queenstown kann man im Winter auch Ski und Snowboard fahren. Vier hervorragende Skigebiete sind in Reichweite.

Haut Sie auch noch nicht vom Hocker? Vielleicht sind Sie dann hierfür zu begeistern: Heli-Skiing und Heli-Snowboarding, Snow Mobile Touren und Ski Mountaineering sind ebenfalls im Angebot und im Cardrona Skigebiet kann Snow Bike gefahren werden.

Weitere großartige Gebiete gibt es unter anderem die ganzen Southern Alps rauf und auf der Nordinsel am Mount Ruapehu. Im Tube Park von Tekapo Springs (Canterbury) gibt’s im Winter Snow Tubing, im Sommer findet das Ganze auf dem Trockenen statt.

Im Mutterland des Bungee-Jumps werden Sie ganz sicher noch viele andere Möglichkeiten zum Hals- und Beinbruch wünschen entdecken. Und vermutlich erfinden die Neuseeländer in diesem Augenblick schon eine neue. Dies ist ein Beitrag aus dem Reiseführer Neuseeland live

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