Gisborne

Gisborne 

Wo die Sonne morgens aufsteht

Gisborne, auch East Cape genannt, ist vor allem eins: First to see the light. Die östlichste Region Neuseelands liegt an der Datumsgrenze und ist somit der Teil der Welt, den die Sonne als Erstes mit ihren Strahlen wachkitzelt.

Das allmorgendlich taufrische Sonnenbad wissen auch Weintrauben zu schätzen, die in dem warmen Klima der Küstenregion bestens gedeihen. Chardonnay und Gewürztraminer sind hier die häufigsten Sorten.
Das Landesinnere steht unter der Schirmherrschaft des Mt. Hikurangi, der als Teil der Raukumara Range im Raukumara Forest Park beheimatet ist.
Die menschlichen Einwohner Gisbornes sind größtenteils Nachfahren der Maori, weshalb die Tradition des indigenen Volks in Einrichtungen wie dem Tairawhiti Museum oder den Gebetshäusern entlang des Strandes mit Herzblut bewahrt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.
Die Hauptstadt Gisbornes ist Gisborne. Verwirrt? Die Einwohner nennen sie deshalb einfach „Gizzy“. Die Stadt liegt an der Südküste und ist neben Ruatoria im Osten eines der beiden Ballungszentren der dünn besiedelten Region. Der Küstenabschnitt zwischen den beiden Städten beherbergt malerische Buchten, die vielseitige Möglichkeiten zum Surfen, Baden, Schnorcheln und Tauchen bieten. Mutige können sogar auf Tuchfühlung mit Haien gehen.
Der SH 2 ist die schnellste Verbindung von der Stadt Gisborne zur in Bay of Plenty gelegenen Stadt Opotiki. An Gisbornes Nordgrenze führt vom Highway weg Richtung Osten die malerische Whitikau Road ins gebirgige, bewaldete Hinterland der Region.
Die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt wird in Parks und Gärten gewürdigt. Auf zahlreichen Wanderungen durch ganz Gisborne können Sie idyllisch rauschende Wälder und tosende Wasserfälle entdecken.
Unterstützung beim Auskundschaften bekommen Sie von der i-SITE in Hafennähe (209 Grey St, Gisborne).

Geschichte

Bereits vor 700 Jahren gab es in der Region Gisborne die ersten maorischen Siedler. Seither wurde das Farmland größtenteils mit Süßkartoffelanbau bewirtschaftet. 1769 betraten Europäer zum ersten Mal neuseeländischen Boden, und zwar genau dort, wo sich die Poverty Bay befindet. Die Bucht im südlichen Teil Gisbornes wurde von ihrem Entdecker Cook aufgrund zweier Missverständnisse so benannt. Beim ersten Landgang traf die europäische Crew auf Maori und hielt deren traditionellen Haka-Begrüßungstanz für eine kriegerische Handlung, sie töteten sechs Maori und die Crew stach ohne neue Vorräte in See. An einer anderen Stelle der Bucht hielten Sie erneut an, aber auch da konnten sie ihre Vorräte nicht aufstocken – aufgrund des dürftigen Nahrungsangebotes des Landstrichs. Heute befindet sich an dieser Stelle die Stadt Gisborne. An den Landgang erinnern Statuen von Cook und Young – und der Name Poverty Bay.
Zwischen 1856 und 1866 erschütterte der sogenannte East Cape War zwischen Europäern und Maori ganz Gisborne. Te Kooti, Führer der Maori, kämpfte während dieser Zeit auf Seiten der Briten gegen den örtlichen Maori-Stamm und wurde als Spion verhaftet. Nach seiner Begnadigung 1883 gründete er die Religionsgemeinschaft Ringatu, die heute ca. 16.000 Anhänger zählt.

Maori-Legende: Wie Maui die Sonne zähmte – und damit den Tag  verlängerte

Der Halbgott Maui hörte oft, wie sich seine Brüder darüber beschwerten, dass die Tage zu kurz seien. Jeden Morgen sprang die Sonne aus dem Meer und zog in einer schnellen Bahn über den Himmel. So blieb nie genug Zeit, um allen Arbeiten und Pflichten nachzukommen, denn viel zu rasch war es wieder dunkel.
Nacht für Nacht saßen die Brüder um das Feuer und sprachen: „Wir haben kaum Zeit zum Jagen oder Fischen. Auch nicht genug, um unsere Häuser instand zu halten.“ Maui hörte ihre Klagen und dachte nach.
„Ich glaube, ich kann die Sonne zähmen!“ sprach er schließlich. „Wir machen uns die Tage einfach länger!“
Seine Brüder aber erwiderten: „Maui, mach dich nicht lächerlich! Niemand kann die Sonne zähmen. Sie ist einfach zu groß und zu   mächtig!“
„Aber“, antwortete Maui, „war nicht auch ich es, der das Feuer zähmte, sodass es zu gebrauchen war? Mit eurer Hilfe kann ich es  schaffen!“
So leitete er die Frauen des Stammes an, große Mengen Flachs zu schneiden, und zeigte ihnen, wie man es zu starken Tauen knüpft. Aus diesen wurde ein riesiges Netz gefertigt.
„Damit werde ich die Sonne fangen, als wäre sie ein Vogel!“, sprach Maui.
Gerade als sie ihre Arbeit beendet hatten, stieg die Sonne vom Himmel herab. Die Nacht brach an und zahllose glitzernde Sterne erschienen am blauen Mantel des Himmelsvaters Rangi.
Am nächsten Morgen brachen Maui und seine Brüder früh auf, denn die Reise nach Osten, wo die Sonne nachts in einer Höhle schlief, würde mehrere Tage dauern.
Dort angekommen überdeckten sie bei Dunkelheit den Eingang der Höhle mit dem Netz aus geknüpftem Flachs, das sie mit Blättern und Zweigen tarnten. Sich selbst schützten sie mit Mauern aus Wachs vor der Sonnenglut. Dann versteckte sich Maui auf der einen und seine Brüder auf der anderen Seite des  Höhleneingangs.
Bald darauf sahen sie einen ersten hellen Schimmer und fühlten sogleich die sengende Hitze der Sonne. Voller Angst warteten die Brüder auf Mauis  Zeichen.
„Ahh, jetzt! Zieht an den Tauen so fest ihr könnt!“ schrie dieser plötzlich und sie zogen mit all ihrer Kraft. Das Netz fiel wie eine riesige Schlinge über die Sonne, die sofort brüllte, kämpfte und tobte.
„Haltet stand!“ rief Maui. Er gab einem seiner Brüder sein Tauende und verließ den Schutz der wächsernen Mauer. Er schwenkte seine magische Keule über dem Kopf, die aus einem Knochen seiner Großmutter gefertigt war, rannte zur Sonne, und obwohl die Hitze seinen Körper und sein Haar versengte, begann er sie heftig  anzugreifen.
„Was machst du? Willst du mich umbringen?“ schrie die verletzte Sonne jetzt.
„Nein ...“, sagte Maui, „Es tut mir leid, aber das war die einzige Möglichkeit, zu erreichen, dass du langsamer gehst. Wenn du über den Himmel eilst, vergeht der Tag auf der Erde zu schnell. Versprichst du mir aber, von nun an langsamer zu reisen, so lasse ich dich  frei.“
„Nun“, sprach die Sonne, „selbst wenn ich wollte, könnte ich nun nicht mehr schnell über den Himmel ziehen ...“
„Lasst die Taue los!“ befahl Maui seinen Brüdern. Dann sahen sie zu, wie die Sonne sehr zögerlich in den Himmel emporstieg und unendlich langsam ihre tägliche Reise begann. Alle lächelten Maui zu, denn sie waren sehr stolz auf ihn.

Gisborne Stadt

Gisborne a.k.a. Gizzy ist mit 32.700 Einwohnern die größte Stadt der Region und liegt am nördlichen Abschnitt der Poverty Bay. Im Volksmund trägt die Siedlung viele Namen – Stadt der Flüsse, Stadt der Brücken oder Chardonnay-Hauptstadt Neuseelands. Die ersten beiden verdankt Gisborne seinen drei Fließgewässern Taruheru River, Waimata River und dem Waikanae Creek, die sich unabhängig voneinander durch Gisborne winden. Taruheru und Waimata laufen letztlich unweit des Meeressaumes zum Turanganui-Fluss zusammen und nach kurzer Stecke am Hafen von Gisborne in die Poverty Bay, wo ihnen auch gleich der Waikanae Creek Gesellschaft leistet.
Die Bezeichnung als Chardonnay-Hauptstadt ist auf den florierenden und wirtschaftlich einflussreichen Weinbau in der Region zurückzuführen. Es liegen insgesamt 15 Winzereien im Umkreis der Stadt. Am Labour Day wird jedes Jahr ein großes Weinfest veranstaltet. Gisborne bietet aber auch unabhängig vom Wein vielfältige Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung und ein reiches Kulturangebot. Einen ersten Überblick über die bedeutendsten Sehenswürdigkeiten der Stadt bietet der Historic Walk (15 km). Zu erreichen ist Gisborne durch den Regionalflughafen am westlichen Stadtrand oder über den SH 2 vom 142 km entfernten Opotiki. Der kleine Hafen in der Poverty Bay ist nur für den Holztransport bestimmt.

Poverty Bay

Die geschichtsträchtige Bucht bildet auf rund 12 km eine fast perfekte Sichelform. An der Einmündung des Turanganui grüßen von den beiden Uferseiten die Statuen von Captain Cook und seinem Kabinenjungen Nicholas Young, der damals als Erster Land gesichtet hatte. Im Südwesten zieren die Young Nick’s Head-Klippen die Bucht. Poverty Bay gilt als beliebter Surfspot, weshalb sich viele Surfschulen in der Umgebung angesiedelt haben. Einmal im Jahr finden in der Bucht die Surf Life Saving Championships statt.
Für Wissenschaftler sind die Sedimentschichten der Bucht interessant, die Aufschlüsse über die Siedlungsgeschichte geben.

Kaiti Hill und Titirangi Reserve

Kaiti Hill (auch: Titirangi Hill) liegt im südlichen Teil Gisbornes und ist über den Queens Drive zu erreichen. Auf dem Hügel (150 m) befindet sich das Titirangi Reserve, früher ein wichtiges Maori-Gebiet. Vier Aussichtsplattformen lassen Ihren Atem stocken. Daneben befinden sich eine Sternwarte, eine Waffenausstellung aus dem Zweiten Weltkrieg, Spielplätze sowie eine Picknickfläche auf Kaiti Hill. Außerdem können Sie Te Poho-o-Rawiri, eines der größten Marae, besuchen. Auch ein kleiner Parkplatz ist vorhanden (5 Titirangi Dr).

Tairawhiti Museum

Wer regionale Kunst bewundern und Museumsluft schnuppern möchte, ist im Tairawhiti Museum (10 Stout St) bestens bedient.
Das Regionalmuseum hat sich nicht nur die Ausstellung traditioneller und gegenwärtiger Kunst zur Aufgabe gemacht, sondern sieht sich gleichfalls als Vermittler verschiedener Kulturen in der Region Gisborne.
Ein Bereich des Museums ist aus Wrackteilen des Dampfschiffs „Star of Canada“ gebaut worden und richtet thematisch passend eine Ausstellung zur Seefracht aus.

Olympic Pool Complex

Sport, Spiel, Spa. Der Olympic Pool Complex (45 Centennial Marine Dr) bietet mit sieben Themenschwimmbecken und mehreren Rutschen alles, was sich Wasserratten wünschen. Das Bad liegt im Süden der Stadt gegenüber der Rettungsschwimmerwarte Midway Surf.

Gisborne Botanical Gardens

Das älteste Reservat Gisbornes am südlichen Ende der Aberdeen Road wurde 1874 als öffentlicher Garten eingerichtet. Drei der verschiedenen Themenbereiche sind Schwesternstädten von Gisborne gewidmet. Auf den etwas mehr als 5 ha sind neben Bäumen auch Rosen, Kakteen, Teiche, eine Vogelvoliere und ein Spielplatz zu finden.

Sunshine Brewing Company

Sie haben keine Lust darauf, ihre Wahrheit im Wein zu suchen? Vielleicht finden Sie sie in einer der Biersorten der Sunshine Brewing Company (49 Awapuni Rd). Machen Sie eine Führung durch die Brauerei und schmecken Sie, wie Gisbornes Wasser mit neuseeländischem Hopfen harmoniert.

Der Westen von Gisborne

East Coast Museum of Technology & Transport

5 km westlich von Gisborne haben ausgediente Farmmaschinen, und Feuerwehrausrüstung, Militärfahrzeuge, Haushaltsgeräte, ein Elektronen-mikroskop und vieles mehr ihre Altersruhestätte im E.C.M.o.T (SH 2, Makaraka) gefunden.
An den sogenannten Live Days werden einige der Maschinen zum Leben erweckt, darunter auch die Militärfahrzeuge.

Rere Rockslides

Schon mal 60 m über Felsen gerutscht? 50 km nordwestlich von Gisborne fließt der Wharekopae River eine natürliche Felsplatte hinunter. Nehmen Sie sich aber besser einen Untersatz mit. Boogie Boards verleiht die i-SITE von Gisborne (209 Grey St).
Zwei km flussaufwärts befinden sich auch die Rere Falls – nicht zum Runterrutschen, aber zum Angucken, während Sie genüsslich Ihr Picknick verspeisen.

Eastwoodhill Arboretum

Nur 1 km westlich der Rere Rockslides können Sie die größte Baumsammlung Neuseelands (2392 Wharekopaen Rd) erkunden.
Sechs Walks unterschiedlicher Länge führen durch die 15 Themenbereiche des 135 ha großen Parks. Besonders reizvoll sind die 3.500 Baumarten im Herbst.

Whinray Scenic Reserve

87 km von Gisborne entfernt liegt das 429 ha große Whinray Scenic Reserve. Die unberührte Landschaft wird südlich vom Motu River begrenzt, der sich gut für Rafting eignet.
Erkunden Sie die üppige Tier- und Pflanzenwelt am besten zu Fuß auf dem Whinray Scenic Reserve Track (6,3 km). Ein geeigneter Parkplatz liegt etwa 5 km von Motu entfernt.

Richtung Nordosten

Highway 35

Der Highway 35 verläuft fast parallel zur Küste und verbindet im Norden Gisborne mit der Region Bay of Plenty.
Unterwegs passiert man zahlreiche kleinere Siedlungen und sehenswerte Buchten wie Tolaga Bay, Tokomaru Bay oder Waiporo Bay. Und so bietet sich die Strecke gut an, um Land, Leute und die Umgebung Gisbornes mit dem Auto kennenzulernen.
Von den Ortszentren von Opotiki, Ruatoria oder Matawai aus erhält man Zugang zum Raukumara Forest Park.

Tolaga Bay

Tolaga Bay ist ein ziemlich kleiner Ort, der direkt an der Mündung des Uawa River liegt. Dennoch besitzt er mit 660 m die längste Anlegestelle Neuseelands. Obwohl der Kai immer wieder restauriert wird, kann man ihn begehen und die Aussicht auf das azurblaue Meer genießen.

Raukumara Forest Park

Der Raukumara Forest Park ist Teil der nördlichen Bergkette Raukumara Range, die im Landesinneren von Gisborne nach Norden verläuft. Zugang zum 115 Hektar großen Park erhält man über den SH 35 von den Ortszentren von Opotiki, Ruatoria oder Matawai aus. Das gesamte Gebiet ist bewaldet, mit Ausnahme von einigen mit Tussockgras bewachsenen Flächen auf der Spitze von Mt. Whanakao und Mt. Hikurangi. Im Wald leben viele einheimische aber auch gefährdete Tierarten wie beispielsweise die Saumschnabelente.
Der Forest Park bietet die Möglichkeit zum Mountainbike fahren und zum Wildwasser-Rafting. In der Umgebung stehen der Campingplatz am Whitikau-Eingang des Parks und Schlafhütten für bis zu sechs Personen für die Nachtruhe bereit.
Im mittleren Teil des Parks befindet sich Mt. Hikurangi. Er wird als der Punkt auf dem Festland anerkannt, der als Erstes von der aufgehenden Sonne begrüßt wird. Der Berg gilt als Ruhestätte des berühmten Kanus Nukutaimemeha des Halbgottes Maui, weshalb der Mt. Hikurangi vom Ngati Porou-Stamm verehrt wird. Der höchste Punkt liegt auf 1.752 m und blickt über eine alpine Flora und Fauna, die man im Norden Neuseelands in diesem Ausmaß nur hier findet.

East Cape

Am offiziell östlichsten Punkt Neuseelands thront seit 1922 ein blendend weißer Leuchtturm (14 m) und warnt vorbeifahrende Schiffe vor den Gefahren der Küste. Zum Leuchtturm gelangt man von Te Araroa aus über die malerische East Cape Road (20 km).
Am Ende der Straße befindet sich privates Farmgelände, durch das der Weg zu Fuß auf den kleinen Berg zum Leuchtturm führt.

Dies ist ein Beitrag aus dem Reiseführer Neuseeland live

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