Wie Maui die Sonne einfing

Maori-Legende

Wie Maui die Sonne einfing

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Der Halbgott Maui hörte oft, wie sich seine Brüder darüber beschwerten, dass die Tage zu kurz seien. Jeden Morgen sprang die Sonne aus dem Meer und zog in einer schnellen Bahn über den Himmel. So blieb nie genug Zeit, um allen Arbeiten und Pflichten nachzukommen, denn viel zu rasch war es wieder dunkel.

Nacht für Nacht saßen die Brüder um das Feuer und sprachen: „Wir haben kaum Zeit zum Jagen oder Fischen. Auch nicht genug, um unsere Häuser instand zu halten.“ Maui hörte ihre Klagen und dachte nach. „Ich glaube, ich kann die Sonne zähmen!“ sprach er schließlich. „Wir machen uns die Tage einfach länger!“
Seine Brüder aber erwiderten: „Maui, mach dich nicht lächerlich! Niemand kann die Sonne zähmen. Sie ist einfach zu groß und zu mächtig!“ „Aber“, antwortete Maui, „war nicht auch ich es, der das Feuer zähmte, sodass es zu gebrauchen war? Mit eurer Hilfe kann ich es schaffen!“

So leitete er die Frauen des Stammes an, große Mengen Flachs zu schneiden, und zeigte ihnen, wie man es zu starken Tauen knüpft. Aus diesen wurde ein riesiges Netz gefertigt. „Damit werde ich die Sonne fangen, als wäre sie ein Vogel!“, sprach Maui. Gerade als sie ihre Arbeit beendet hatten, stieg die Sonne vom Himmel herab. Die Nacht brach an und zahllose glitzernde Sterne erschienen am blauen Mantel des Himmelsvaters Rangi.
Am nächsten Morgen brachen Maui und seine Brüder früh auf, denn die Reise nach Osten, wo die Sonne nachts in einer Höhle schlief, würde mehrere Tage dauern. Dort angekommen überdeckten sie bei Dunkelheit den Eingang der Höhle mit dem Netz aus geknüpftem Flachs, das sie mit Blättern und Zweigen tarnten. Sich selbst schützten sie mit Mauern aus Wachs vor der Sonnenglut. Dann versteckte sich Maui auf der einen und seine Brüder auf der anderen Seite des Höhleneingangs.

Bald darauf sahen sie einen ersten hellen Schimmer und fühlten sogleich die sengende Hitze der Sonne. Voller Angst warteten die Brüder auf Mauis Zeichen. „Ahh, jetzt! Zieht an den Tauen so fest ihr könnt!“ schrie dieser plötzlich und sie zogen mit all ihrer Kraft. Das Netz fiel wie eine riesige Schlinge über die Sonne, die sofort brüllte, kämpfte und tobte.

„Haltet stand!“ rief Maui. Er gab einem seiner Brüder sein Tauende und verließ den Schutz der wächsernen Mauer. Er schwenkte seine magische Keule über dem Kopf, die aus einem Knochen seiner Großmutter gefertigt war, rannte zur Sonne, und obwohl die Hitze seinen Körper und sein Haar versengte, begann er sie heftig anzugreifen.

„Was machst du? Willst du mich umbringen?“ schrie die verletzte Sonne jetzt. „Nein ...“, sagte Maui, „Es tut mir leid, aber das war die einzige Möglichkeit, zu erreichen, dass du langsamer gehst. Wenn du über den Himmel eilst, vergeht der Tag auf der Erde zu schnell. Versprichst du mir aber, von nun an langsamer zu reisen, so lasse ich dich frei.“ „Nun“, sprach die Sonne, „selbst wenn ich wollte,´ könnte ich nun nicht mehr schnell über den Himmel ziehen ...“ „Lasst die Taue los!“ befahl Maui seinen Brüdern. Dann sahen sie zu, wie die Sonne sehr zögerlich in den Himmel emporstieg und unendlich langsam ihre tägliche Reise begann. Alle lächelten Maui zu, denn sie waren sehr stolz auf ihn. Diese Legende ist Teil des Hörbuch Neuseeland live